| Als Mike Ladd das letzte Mal ein Album („The Majesticons“ auf Big-Dada/Ninja Tune) promotete, trug er einen Hugo Boss-Anzug und eine imposante Sonnenbrille. In der Rolle des Magnaten-Anwalts Jay Wako-witz berichtete er bei seinen Audienzen in verschiedenen Nobelho-tels aus der Welt der Reichen, Korrupten und Schönen. Das mag für einen Künstler, der kürzlich eine CD über schwarze Menschen und Globalisierung fertiggestellt hat, etwas untypisch klingen. Was aber ist typisch für Mike Ladd? Ausdrucksfreiheit in Reinform. Mike Ladd steht dafür, jeglichen Teil menschlicher Erfahrung durch Musik und Worte ohne Selbstbeschränkung zu erforschen.
Dabei ist Mike Ladd humorvoll, etwas verrückt und auf eigene pro-gressive Art gesellschaftskritisch. Außerdem ist er Musiker und meistens ist er alles gleichzeitig. Mike Ladd hat nie dasselbe zweimal gemacht und trotzdem macht er immer das gleiche. „It is al-ways about creating different kinds of black music. I am black – so what else could I do?” In den frühen 90ern sammelte der Englisch-Dozent im Nuyorican Poets Cafe im East Village auf Manhattan Liveerfahrungen in einer damals brodelnden Szene. Ab 1997 folgten bisher insgesamt 2 Solo-Alben, und ausserdem die Longplayer „The Infesticons“ (2000) und „The Majesticons“ (2003), Mikes side-project auf dem Ninja Tune-Sublabel BigDada. El-P (DefJux), Vast Aire (Cannibal Ox), Saul Williams und das Anti Pop Consortium (Warp) verdeutlichen als Gäste auf diesen Platten den musikalischen Hintergrund Mike Ladds, ohne ihn abschließend zu beschreiben.
Nach den Arbeiten an der ernsteren, globalisierungskritischen Platte mit dem Pianisten Vijay Iyer, hat sich Mike Ladd im Septem-ber 2003 und im Januar 2004 in ein Studio in Brooklyn, New York, eingeschlossen und dort den „Nostalgialator“ entwickelt. Was das genau ist, werdet ihr später herausfinden – um genau zu sein Ende Juli dieses Jahres, denn dann erscheint Mike Ladds drittes Soloal-bum „Nostalgialator“ auf !K7 Records. Wie immer steckt dahinter ein ausgeklügeltes Konzept. Abgesehen davon liefert das Album die ak-tuelle Ladd ´sche Version von Black Music. Als Vorgeschmack gibt es die 12-Inch „Housewives At Play b/w Perversions“, die mit dem üblichen Humor aufwartet und dank ihrer gesteigerten Radiotauglich-keit als trojanisches Pferd für das Universum Mike Ladds fungieren könnte. |